Ein Hauch von Minze – eine Gruselgeschichte im Büro

Ein Hauch von Minze – eine Gruselgeschichte im Büro

Mai 16, 2019 0 Von Laura Putschies

Sie haben Mittagspause und sind total müde von der Arbeit? Dann wird es Zeit für eine gruselige Kurzgeschichte, um wieder wach zu werden.

 

Meine Kollegin sperrte mich nicht absichtlich ein. Das weiß ich ganz genau. Ich war in der Abstellkammer des Büros, um Büroklammern zu holen. Als ich wiederkam, war das Büro abgeschlossen und die Lichter waren aus. Da ich erst seit wenigen Wochen hier arbeite, besitze ich noch keinen Schlüssel für das Büro. Meine Familie sagte mir schon oft, dass ich so leise und unscheinbar durch die Wohnung liefe. So war es kein Wunder für mich, dass meine Kollegin mich übersah.

 

Ich greife in meine Hosentasche nach meinem Smartphone, um meine Kollegin anzurufen und sie zu bitten, zurückzukommen. Da fällt mir ein, dass ich mein Smartphone in meiner Jacke habe, die außerhalb des Büros liegt. Also gehe ich zu meinem Schreibtisch und nehme den Hörer des Festnetz-Telefons in die Hand. Doch es ist aus. Auch das Telefon meines Kollegen zeigt bloß einen leeren Bildschirm. Ich laufe zum nächsten Schreibtisch. Dort ist das gleiche Problem. Schnell betätigte ich den On-Schalter eines PCs. Dann schreibe ich eben eine E-Mail, denke ich und spüre langsam ein Unbehagen in mir.

 

Der PC geht nicht an. Während das unangenehme Gefühl in mir immer stärker wird, renne ich von einem PC zum Nächsten. Ein Lichtschalter fällt in mein Blickfeld und ich betätige ihn. Das Licht bleibt aus. Ich schließe die Augen. „Das kann passieren. Ich wurde ausversehen eingeschlossen und der Strom ist ausgefallen. Das kann passieren“, murmle ich. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen schleiche ich auf Zehenspitzen zur Küche. Niemand ist dort. Jetzt ist es schon so weit, dass ich hinter jeder Ecke jemanden erwarte. Ich gehe zum Kühlschrank. Essen beruhigt mich. Als ich nach einem Joghurt im Kühlschrank greife, höre ich ein lautes Geräusch.

 

Vor Schreck lasse ich den Joghurt fallen, mein Fuß knickt um und ich kippe auf eine Wasserkiste hinter mir. Schnell versuche ich mich wieder aufzurichten. Mein rechter Arm und mein linker Fuß schmerzen. Bevor ich wieder auf den Beinen bin, ist das Geräusch nicht mehr zu hören und die Küche ist stockduster. „Die Rollos müssen heruntergefahren sein“, grüble ich laut. Ich versuche den Schmerz auszublenden und humple aus der Küche ins Büro. Wie konnten sich die Rollos bewegen? Sie sind doch elektrisch und der Strom war ausgefallen. Voller Hoffnung betätige ich einen Lichtschalter an der Wand, den ich vorsichtig ertaste. Doch das Licht bleibt aus.

 

Knaatsch. Da muss eine Tür aufgegangen sein, denke ich mir. Mein ganzer Körper erstarrt. „Ist da jemand?“, traue ich mich zu fragen, nachdem ich einige Zeit abgewartet habe, ob auf das Knarren der Tür etwas folgt. Niemand antwortet und es sind keine Geräusche zu hören. Ich versuche mich zu entspannen und rede mir ein, dass ich mich geirrt habe. Drei Mal atme ich tief ein und wieder aus, als ich doch ein leises Geräusch wahrnehme. Zunächst kann ich nicht zuordnen was es ist. Doch als es näherkommt und lauter wird, fällt es mir ein. Zwei Hosenbeine ratschen aneinander. Da kommt jemand auf mich zu.

 

Panisch humple ich in eine Ecke der Küche. Langsam lehne ich mich an eine Wand und rutsche an ihr auf den Boden hinunter. Tränen steigen mir in die Augen und rauben mir meine letzte Sicht. Ich möchte wissen, wer auf mich zukommt. Doch ich traue mich nicht nachzusehen. Ich habe Angst und möchte doch lieber aufstehen und fortlaufen oder Bereit sein zu kämpfen. Aber meine Beine sind wie gelähmt. Ich kneife meine Augen zusammen. Das Geräusch wird immer lauter. Doch plötzlich verstummt es. Da spüre ich einen warmen nach Minze riechenden Atem an meinem rechten Ohr.

 

Das Telefon klingelt. Ich schrecke auf. Das Licht ist an und ich blicke auf meine Tastatur vor mir auf meinem Schreibtisch. „Soll ich ans Telefon gehen?“, höre ich meine Kollegin vom Tisch nebenan sagen. Die Schmerzen sind nicht mehr da, die Uhr zeigt 11:22 Uhr. Ich war eingenickt. Ein Glück, es war bloß ein Traum. „Nein, danke“, antworte ich meiner Kollegin und hebe den Hörer ab. „Firma Schubert, Hubert am Apparat!“. „Das war kein Traum!“, keucht ein Mann aus dem Hörer. „Morgen sehe ich dich wieder.“ Er legt auf und zurück bleibt ein leichter Geruch von Minze, der aus dem Hörer steigt.

 

Ich hoffe, dass Sie nun wieder wach und bereit sind, weiterzuarbeiten! 😉